Biochemische Wirkung und Studien
Zuordnung
Strontium ist ein Spurenelement, chemisch eng mit Calcium verwandt, kommt in der Natur aber in deutlich geringeren Mengen vor. In Wasser liegt es natürlicherweise gelöst als Ion vor. Der Zusammenhang zwischen Strontiumgehalt im Trinkwasser und Zahngesundheit ist seit über 40 Jahren wissenschaftlich dokumentiert, findet in der Zahnpflege bislang aber kaum Anwendung.
Im Körper & Gesundheit
Zahnschmelz besteht hauptsächlich aus Hydroxyapatit, einer stabilen Mineralstruktur aus Calcium- und Phosphat-Ionen. Weil Strontium dem Calcium chemisch ähnelt, kann es gelegentlich ein Calcium-Ion darin ersetzen – etwa eines unter mehreren tausend. Das etwas grössere Strontium-Ion verändert dabei die Materialeigenschaften: Der Zahnschmelz wird widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen und löst sich bei niedrigem pH-Wert weniger leicht auf.
Bei schmerzempfindlichen Zähnen spielt eine zweite Wirkung eine Rolle. Die Empfindlichkeit entsteht meist durch offenliegende Dentintubuli – feine Kanälchen im Zahninneren, die normalerweise dem Nährstofftransport dienen, bei Freilegung aber Reize wie Kälte oder Luftzug direkt weiterleiten. Strontium fördert die Bildung mineralischer Ablagerungen, die diese Kanälchen teilweise verschliessen und so die Schmerzempfindlichkeit reduzieren können.
Neuere Forschung zeigt zudem einen zellulären Effekt: Strontium regt die Mineralisierung an und fördert die Differenzierung von Stammzellen der Zahnpulpa zu Odontoblasten – ein Prozess, der für die Regeneration von Dentin notwendig ist.
Epidemiologisch zeigt sich der Nutzen deutlich: Ein höherer Strontiumgehalt im Trinkwasser korreliert mit einem niedrigeren DMFT-Index (Anzahl kariöser, fehlender und gefüllter Zähne) sowie weniger Plaque. Bei älteren Menschen steht ein höherer Trinkwasser-Strontiumgehalt zusätzlich mit einer höheren Knochendichte in Zusammenhang. Selbst bei sehr hohen Konzentrationen im Trinkwasser wurden keine schädlichen Wirkungen beobachtet.
Quellen:
- doi.org/10.1177/00220345830620091501
- doi.org/10.1016/0003-9969(78)90025-0
- doi.org/10.1177/00220345850640121201
- doi.org/10.1007/s11356-021-12378-y
- doi.org/10.1177/00220345830620100801
- doi.org/10.1016/j.jfma.2018.01.001
- doi.org/10.1016/j
