Im Körper & Gesundheit

Selen ist ein essenzielles Spurenelement mit einer der eindrücklichsten Erfolgsgeschichten der Ernährungsmedizin: Seine Entdeckung als Schlüssel zur Kontrolle einer lebensbedrohlichen Herzerkrankung in China zählt zu den grossen Triumphen der Public-Health-Forschung.

Ein langer Weg zur offiziellen Anerkennung

Von der Entdeckung bis zur offiziellen Anerkennung als essenzieller Nährstoff verging in Europa erstaunlich viel Zeit: Selen wurde bereits 1817 vom schwedischen Chemiker Jöns Jacob Berzelius entdeckt – zunächst ausschliesslich als Giftstoff wahrgenommen, u. a. verantwortlich für Vergiftungen von Weidetieren. Erst 1957 bewiesen Schwarz und Foltz im Tierversuch die Essenzialität von Selen, und selbst danach dauerte die offizielle Anerkennung in Europa nochmals Jahrzehnte: Grossbritannien legte 1991 als eines der ersten Länder eigene Referenzwerte fest, während die EU-Behörde EFSA offizielle Dietary Reference Values für Selen erst 2014 veröffentlichte – fast 200 Jahre nach der Entdeckung des Elements und 57 Jahre nach dem Nachweis seiner Essenzialität.

Funktionen im Körper

  • Baustein von rund 25 Selenoproteinen, u. a. der Glutathionperoxidase – einem der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien
  • Unentbehrlich für die Schilddrüse: selenabhängige Dejodasen wandeln das Hormon T4 in das aktive T3 um
  • Unterstützt die Immunabwehr und die männliche Fruchtbarkeit (Spermienbildung)
  • Schützt Zellen vor oxidativem Stress und wirkt entzündungshemmend

Studienlage

Die vielleicht eindrücklichste Bestätigung der Selen-Essenzialität liefert die Geschichte der Keshan-Krankheit, einer lebensbedrohlichen Herzmuskelerkrankung in selenarmen Regionen Chinas: Eine systematische Übersichtsarbeit von 35 Interventionsstudien (2018) fand durch Selen-Supplementierung eine Risikoreduktion von rund 86 % (relatives Risiko 0,14); eine grossangelegte Studie mit über einer Million Teilnehmenden zeigte in der unbehandelten Kontrollgruppe ein 8-fach höheres Erkrankungsrisiko. Auch bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis zeigt sich Selen wirksam: Eine aktuelle Metaanalyse (Huwiler et al., 2024, Thyroid) fand eine signifikante Reduktion der Schilddrüsenantikörper (TPOAb) durch Selen-Supplementierung, besonders ausgeprägt bei Personen mit vorbestehendem Selenmangel.

Quellen

  • Biological Trace Element Research (2018): Prevention of Keshan Disease by Selenium Supplementation – Systematic Review and Meta-Analysis – https://link.springer.com/article/10.1007/s12011-018