Im Körper & Gesundheit
Arsen zählt zu den faszinierendsten Elementen der Medizingeschichte: Einst der berüchtigtste Giftmord-Klassiker überhaupt, ist eine Arsenverbindung heute eine der elegantesten und erfolgreichsten Krebstherapien der modernen Medizin – eine essenzielle Funktion beim Menschen ist allerdings nicht belegt.
Eine aussergewöhnliche medizinische Erfolgsgeschichte
- Arsentrioxid (As2O3) ist ein zugelassenes Medikament zur Behandlung der akuten Promyelozytenleukämie (APL), einer aggressiven Blutkrebsform
- Massgeblich von chinesischen Forschern entwickelt, aufbauend auf Erfahrungen der traditionellen chinesischen Medizin
- In Kombination mit All-trans-Retinsäure (ATRA) erreicht die Therapie heute Remissionsraten von über 90 % und Langzeitüberlebensraten von rund 94–95 % bei neu diagnostizierten Patienten – ganz ohne klassische Chemotherapie
Geschichte: vom «perfekten Gift» zum leicht nachweisbaren Stoff
Arsen(III)-oxid war jahrhundertelang das gefürchtetste Gift überhaupt – geruchlos, geschmacklos, und die Vergiftungssymptome ähnelten einer gewöhnlichen Cholera- oder Magen-Darm-Erkrankung. In Frankreich erhielt es deshalb den Beinamen «poudre de succession» («Erbschaftspulver»). Diese Ära endete 1836, als der britische Chemiker James Marsh einen hochempfindlichen Nachweistest entwickelte, der noch ein Fünfzigstel Milligramm Arsen sichtbar machen konnte. Der Test kam 1840 im berühmten Mordprozess gegen Marie Lafarge in Frankreich erstmals vor Gericht zum Einsatz und begründete massgeblich die forensische Toxikologie als eigene Wissenschaft. Heute lässt sich Arsen mit modernen Labormethoden (u. a. Massenspektrometrie) selbst in kleinsten Spuren zuverlässig und einfach nachweisen – als «unsichtbares» Gift hat es damit ausgedient.
Wichtiger Sicherheitshinweis: globales Gesundheitsrisiko
Ausserhalb der streng ärztlich kontrollierten Krebstherapie bleibt Arsen aber ein ernstes Gesundheitsrisiko, kein Nährstoff. Die WHO stuft anorganisches Arsen als bestätigtes Karzinogen ein; weltweit sind schätzungsweise 140 Millionen Menschen in über 70 Ländern über verunreinigtes Trinkwasser Arsenkonzentrationen oberhalb des WHO-Grenzwerts ausgesetzt – in Bangladesch, wo bis zu 57 Millionen Menschen betroffen sind, spricht man von der «grössten Massenvergiftung der Geschichte». Chronische Arsenbelastung wird mit Haut-, Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Entwicklungsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht.
Studienlage
Die
